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 Aus der Rathaus-Umschau vom 9. Juni 2000 
 
 
*OB zur Stadion-Debatte: Lasst uns über Geld reden

(9.6.2000) Beim traditionellen Empfang der Landeshauptstadt zum Stadtgründungstag, der diesmal in der "Kathedrale der Trambahn" der Straßenbahn-Hauptwerkstätte in der Ständlerstraße stattfand, konnte Oberbürgermeister Christian Ude 550 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens begrüßen und dem Vorsitzenden des Münchner Seniorenbeirats, Ruprecht Bold zum 85. Geburtstag gratulieren. Der Oberbürgermeister nutzte die Gelegenheit, um den Gastgeber, Herbert König, den Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe, zum Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs in seiner bisherigen Amtszeit zu beglückwünschen.

Ude: "Da wurde das Nachtliniennetz eingeführt, wurden neue U-Bahnlinien bis Feldmoching, bis Garching und zum Westfriedhof im Norden, bis zum Mangfallplatz im Süden und zur Messe im Osten in Betrieb genommen, die Osttangente der Trambahn realisiert und Buslinien ebenso wie der Trambahnverkehr erheblich beschleunigt." Außerdem würden jetzt über 1 000 Wartehäuschen an den Haltestellen für mehr Komfort bei schlechtem Wetter sorgen, neue Fahrzeuggenerationen bei der U-Bahn (ab 2001), bei der Trambahn (die neuen Jumbos) und den Bussen (Gelenkbusse in Niederflurtechnik) würden deutlich machen, dass München auf die Zukunft der Verkehrsbetriebe setze und sie fit mache für die Zeiten des Wettbewerbs.

Ausführlich ging der Oberbürgermeister auch auf die aktuelle Stadion-Debatte ein: "Endlich haben wir 3 Varianten, die alle die Forderungen der Fußballwelt erfüllen: Kürzere Distanz zum Spielfeld, Überdachung aller Plätze, zusätzliche Einrichtungen wie von den Vereinen gewünscht." Jetzt sei eine ausführliche Diskussion über die Bedürfnisse der Nutzer, aber auch über architektonische Qualität und Denkmalschutz "und vor allem über Geld" erforderlich. Ude wörtlich: "Auch wenn es als unfein gilt: Lassen Sie uns über Geld reden." Über Großinvestitionen könne man nicht nach dem Motto entscheiden: "Haben wollen - Papa muss zahlen." Um die Belastung kalkulierbar zu machen, brauche man erst einmal seriöse Kostenschätzungen, die sämtliche Kosten realistisch mit einbeziehen, also auch Freimachungskosten, Pachtausfälle, Bauzeitzinsen und künftige Betriebs- und Unterhaltskosten. Ude verwies darauf, dass die Landeshauptstadt München mit 140 Millionen Mark den größten Betrag aller deutschen Kommunen zum Stadionbau beisteuere. Der Freistaat Bayern hingegen bleibe mit seiner gegenwärtigen Zurückhaltung weit hinter anderen Bundesländern zurück, die Zuschüsse bis 100 Millionen Mark und Staatsbürgschaften bis 180 Millionen Mark geleistet hätten. "Der Stadion-Gipfel in der Staatskanzlei wird Klarheit bringen, welche Variationen überhaupt finanzierbar sind." Unabhängig vom Geld solle man auch nicht vergessen, dass es sich beim Olympiastadion um das bedeutendste Münchner Bauwerk des 20. Jahrhunderts handle - und vermutlich um das einzige, das auf der ganzen Welt bekannt ist. Diese Stellung werde das Olympiastadion aber nur behaupten, wenn es auch in Zukunft der Austragungsort bedeutender und international beachteter Fußballspiele ist. "Deshalb führt kein Weg am Zwang zum Konsens vorbei."

Unter den Gästen befanden sich Literaturpreisträger Carl Amery, Karikaturist Ernst-Maria Lang, Wiesn-Wirtesprecher Willy Heide, Handwerkskammerpräsident Heinrich Traublinger, tv-Autor Franz Geiger, Alt-Oberbürgermeister Georg Kronawitter, der Präsident des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes, Professor Dr. Johann Wittmann, der Befehlshaber im Wehrbereich VI, Generalmajor Dieter Henninger, sowie zahlreiche Abgeordnete, Stadtratsmitglieder, Referenten und Bezirksausschussvorsitzende sowie Repräsentanten der Münchner Vereine.

 

Dieser Text stellt keine Meinungsäußerung des VCD dar, sondern ist ein Zitat aus der Münchner Rathaus-Umschau vom 9. Juni 2000.
Bei der Stadt München sind ältere Ausgaben ab dem 20. Dezember 1999 als PDF-Dateien erhältlich. Die wichtigeren Meldungen archivieren auch die Haidhauser Nachrichten (wie bei der Stadt nicht ganz lückenlos, aber im HTML-Format und mit Suchfunktion).

 
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