Auf Einladung von OB Christian Ude hat am 10. März 1999 eine Anhörung zur Zukunft der S-Bahn im Raum München stattgefunden. Das Podium war hochrangig besetzt mit Vertretern der DB, des Bayerischen Wirtschaftsministeriums, der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, der Region München, der Stadtverwaltung sowie der Münchner
Verkehrsbetriebe. Als ein Vertreter der Verbände und Kammern war auch der VCD eingeladen. Stefan Kugelmeier nutzte die Gelegenheit für eine kurze Stellungnahme. Im Folgenden gibt er einen Überblick über den aktuellen Planungs- und Diskussionsstand:
In den nächsten Jahren soll die S-Bahn durch eine Reihe von Maßnahmen Zug um Zug wieder fit gemacht werden, damit sie ihre Rolle als Rückgrat des Nahverkehrs in München in Zukunft wieder verstärkt wahrnehmen kann. So sollen ab Herbst 1999 insgesamt 145 neue Triebwagen des Typs 423 die ältesten Fahrzeuge der derzeit eingesetzten Baureihe 420/421 ablösen. Baldmöglichst werden weitere 108 Züge beschafft, sodass der Fahrzeugpark der Münchner S-Bahn dann aus insgesamt 253 neuen Zügen besteht.
In der derzeitigen Optimierungsphase der verschiedenen Varianten des Projekts München 21 (Umbau des Münchner Hauptbahnhofs mit Fernbahn-Tunnel zum Ostbahnhof) wird auch untersucht, ob die dabei entstehende Infrastruktur auch von der S-Bahn mitbenutzt werden kann. Noch
in diesem Jahr will man daher entscheiden, ob zur Entlastung der (einzigen!) Stammstrecke der Südring ausgebaut wird, oder ob ein zweiter Tunnel für die S-Bahn - je nach Variante auch vom Fernverkehr mitbenutzt - als Lösung weiterzuverfolgen ist.
In den nächsten Jahren sollen folgende Projekte realisiert werden:
2000: S8 bis Maisach (10-Minuten-Takt zusammen mit der S3)
2001: Entflechtung Berg am Laim, damit 10-Minuten-Takt auf der S5 Ost und der S6 Ost
2002: Nach Weßling und Deisenhofen (bis dahin 2-gleisig ausgebaut) 10-Minuten-Takt
2004: Nach Dachau 10-Minuten-Takt (in Zusammenhang mit der ICE-Strecke München - Nürnberg)
Außerdem soll die Stammstrecke ein neues Signalsystem erhalten, das es erlaubt, auf elektrische Sicht im Bremswegabstand zu fahren; das bedeutet eine Kapazitätsausweitung. Die Bahnstromversorgung auf der Stammstrecke soll ertüchtigt werden. An Ausbauten außerhalb der Stammstrecke werden derzeit untersucht:
Für die weitere Zukunft denkt man an einen 3- bis 4-gleisigen Ausbau Laim - Neufahrn, die Pasinger Kurve (Pasing - Moosach) und den Ringschluss Erding (3. Anbindung zum Flughafen!).
Insgesamt hat die Veranstaltung nicht viele neue Informationen geboten. OB Ude merkte noch süffisant an, er sehe eine deutliche Kontinuität in der Diskussion über die S-Bahn: Seit seinem Amtsantritt im Jahr 1990 werde von dem 500-Millionen-Programm zur Ertüchtigung der S-Bahn geredet. Etliche Diskussionsbeiträge ließen aber doch erkennen, dass eine Reihe von Forderungen des VCD allmählich in die öffentliche Diskussion Einzug hält: So berichtete MVV-Geschäftsführer Alexander Freitag von Überlegungen, für stadtnahe Park&Ride-Anlagen Benutzungsgebühren einzuführen. Und Herbert König, Geschäftsführer Verkehr der Stadtwerke München, ist sehr an der Betriebsführung
erster Teilstrecken der Münchner Umland-Bahn interessiert. Daher haben sich die Stadtwerke auch an der Machbarkeitsstudie einer ersten Linie von Moosach über Karlsfeld und Dachau-Zentrum nach Dachau-Nordost beteiligt.